Nur eine Frau
Deutschland 2019

Nur eine Frau
Regie:
Sherry Hormann
mit:
Almila Bagriacik, Meral Perin, Rauand Taleb, Armin Wahedi, Mürtüz Yolcu, Mehmet Atesci, Aram Arami, Merve Aksoy, Jacob Matschenz, Idil Üner
FSK:
12
Spieldauer:
97 min.
 
2008 wurde in Berlin eine Brücke nach Hatan Aynur Sürücü benannt. Das zeigt, dass der sogenannte „Ehrenmord“ an Aynur, die 1982 als Tochter sunnitischer Kurden aus der Türkei in Berlin geboren und 2005 von ihrem jüngsten Bruder Nuri hingerichtet wurde, nicht vergessen ist. Im Gegenteil, der Fall, der damals als Beleg für Fehlleistungen bei der Integration großes Aufsehen erregte, zeigt, dass noch immer Handlungsbedarf besteht. Denn Zwangsheiraten gibt es auch weiterhin. 14 Jahre nach dem Mord hat sich Sherry Hormann des brisanten Themas angenommen, gestützt auf ein Sachbuch, Gerichtsakten und Interviews mit Zeitzeugen. Ihr packendes Filmporträt läuft demnächst als Weltpremiere auf dem Tribeca Festival.
Am Anfang steht die Ermordung. Wie kam es dazu? Aynur selbst erzählt im fiktiven Rückblick aus dem Off ihre Lebensgeschichte. 1998 wird die 15-Jährige von ihrer Familie mit einem Cousin in Istanbul zwangsverheiratet. Vor dem gewalttätigen Ehemann flieht sie hochschwanger zu ihren Eltern. Diese missbilligen ihr Verhalten und wollen sie zurückschicken. Doch Aynur bleibt und bringt Sohn Can zur Welt. Weil das Baby ihre drei Schwestern nervt, wird Aynur in die Besenkammer verbannt. Gegen den Widerstand der Familie zieht sie in ein Heim für Alleinerziehende. Als sie das Kopftuch ablegt, eine Ausbildung als Elektroinstallateurin macht und eine eigene Wohnung bezieht, belästigen drei ihrer vier Brüder sie am Telefon und beschimpfen sie als Hure. Dabei will Aynur nur so leben wie andere deutsche Frauen, will mal tanzen gehen und einen Freund haben. Doch gerade wegen ihres „westlichen“ Lebensstils werden die Drohungen der Brüder immer bedrohlicher …