A Rainy Day in New York (OmU)
USA 2019

Regie:
Woody Allen
mit:
Timothée Chalamet, Elle Fanning, Selena Gomez, Diego Luna, Jude Law, Liev Schreiber, Cherry Jones
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Spieldauer:
93 min.
 
Eine Liebeserklärung an das alte New York, ein so nostalgisches wie romantisches Portrait der Stadt der Städte und eine Liebesgeschichte, in der Woody Allen einen liebevollen Blick auf die kleinen und großen Wunder und Katastrophen des Lebens wirft.
Was auf den ersten Blick wie ein Woody Allen-Film as usual aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ungewöhnliches Kunstwerk, das mit viel Selbstironie und einer großen Portion Melancholie aufwartet. Das Faszinierendste an dem Film ist neben dem hohen Unterhaltungsfaktor, wie sehr Woody Allen sein Handwerk beherrscht und aus einer an sich einfachen Grundstory dank seiner originellen Charaktere, geschliffener Dialoge und zahlloser Verwicklungen neunzig Minuten witzige Unterhaltung zaubert, wobei er zum x-ten Mal sein New York präsentiert, das genauso schön und interessant ist wie die Versionen davor.

Diesmal arbeitet Woody Allen mit zwei ganz jungen Protagonisten: Gatsby ist im Grunde das optische Gegenteil seines Schöpfers – ein groß gewachsener, schöner junger Mann mit wallendem, engelsgleichem Haupthaar anstatt des spillerigen, dünnen, bebrillten Rotschopfes, der er selbst war. Gemeinsam haben sie lediglich die Außenseiterrolle sowie die Begabung fürs Pokern – Woody Allen war als College-Student ein berüchtigter Zocker. Dem Upperclass-Bengel Gatsby stehen alle Türen offen, was ihm aber egal ist. Er weiß zwar nicht, was er will, aber das mit ganzer Kraft. Zu Beginn ist Gatsby in seiner indifferenten, besserwisserisch intellektuellen Art beinahe unsympathisch. Für Ashleigh, die im Gegensatz zu ihm leicht zu begeistern ist, und zwar prinzipiell für alles, ist Gatsby ein Exot. Sie wirkt naiv und doof, aber das ist sie nicht. Sie ist ein sehr braves Mädchen, eine vorbildlich spießige, leicht verkrampfte Südstaatenschönheit, eine von denen, die sich überall engagieren und zu allem eine Meinung haben, auch wenn es an Wissen fehlt. Ihre Offenheit ist dabei durchaus positiv zu betrachten, denn immerhin will sie dazulernen, ganz im Gegensatz zu Gatsby, der schon alles weiß oder zumindest so tut. Außerdem hat sie Emotionen. Wovon er zu wenig hat, hat sie generell zu viel und umgekehrt. Elle Fanning spielt die schwierige Rolle sonnig lächelnd mit viel Sinn für Situationskomik und mit einem verblüffend guten Timing. In ihrer Mischung aus exaltierter Begeisterung und Empathie wirkt sie im Gegensatz zu Gatsby eher erfrischend. Sie ist weniger das doofe Blondchen als die artige Musterschülerin vom Lande. Und Elle Fanning lässt dabei richtig die Post abgehen, während das junge Genie Timothée Chalamet einmal mehr mit einer unübertrefflich coolen Arroganz und mit ephebischem Charisma überzeugt. Selena Gomez als niedliche Shannon spielt erstaunlich sicher und kann ebenfalls locker neben ihm bestehen.
Einer meiner Lieblingsfilme auf der Leipziger Filmkunstmesse (Christine Runge)